Evangelische Kirchengemeinde Mühlhausen – Tairnbach

Nachtrag zum Bericht über den Ausflug des Seniorenkreises nach Bretten

26. Oktober 2017

In dem Bericht erwähnten wir, dass wir mit Erstaunen das Wappen von Mühlhausen an der Wand des „Städtezimmers“ im Melanchthonhaus entdeckten, denn dort sind („nur“) die 121 Wappen der Städte und Gemeinden angebracht, mit denen Melanchthon, der „Lehrer Deutschlands“ und „Weggefährte Martin Luthers“ brieflich oder persönlich in Kontakt getreten war. Die Wappen-Inschrift war jedoch nicht eindeutig zu entziffern, so dass wir unsere Führerin baten, uns ggf. nachträglich „aufzuklären“.

Dies geschah in diesen Tagen. Frau Bräuning teilte mit, dass nunmehr zweifelsfrei feststehe, dass Melanchthon einen Briefwechsel mit dem damaligen Mühlhausen im Elsass (heute: Mulhouse, Haut Rhin) hatte. Dies ist nachvollziehbar, denn – wie in Wikipedia und anderen Quellen nachlesbar – trat die im Dreiländereck Frankreich-Schweiz-Deutschland gelegene Stadt 1515 dem „Schweizerbund“ bei, war zeitweise freie Reichsstadt und führte 1528 die Reformation ein. Hier wird auch der Bezug zu Melanchthon herzustellen sein, der bekanntlich für einige Kommunen eine Schulordnung erstellte oder in theologischen Fragen beratend zur Seite stand.

Rückblick zum Reformationsjubiläum: Seniorenkreis auf den Spuren von Melanchthon

24. Oktober 2017

Im Jubiläumsjahr der Reformation war beim Jahresausflug des Seniorenkreises am 10. August eine Führung im Melanchthon-Haus in Bretten der Höhepunkt. Schon die Außenansicht des roten Sandsteingebäudes neben dem Alten Rathaus am Brettener Marktplatz beeindruckte die Reisegruppe. Die kompetente Führung im Geburtshaus Melanchthons, das als europäisches Kulturerbe ausgezeichnet wurde, führte uns zunächst in die Gedächtnishalle im Erdgeschoss. Neben der dortigen Ausstellung zum Reformationsjahr gefielen in der sakral anmutenden gotischen Halle vor allem die Wandgemälde mit Episoden aus dem Leben des wichtigsten Weggefährten Martin Luthers, anhand derer die Führerin den bekanntesten Sohn Brettens eindrucksvoll näherbrachte.

Philipp Schwartzerdt – so Melanchthons Geburtsname – wurde am 16. Februar 1497 als Sohn eines Waffenschmiedes geboren. Der hochbegabte Junge lernte u.a. früh Latein und durfte schon als 12-Jähriger zunächst in Heidelberg und später in Tübingen studieren, bevor er 1518 als Griechisch-Professor nach Wittenberg berufen wurde. Dort lernte er Luther kennen, mit dem er freundschaftlich verbunden war und bei der Bibelübersetzung mitarbeitete. Nach Luthers Ächtung vertrat Melanchthon bei Reichstagen und Religionsgesprächen als anerkannter Wortführer der Wittenberger Theologie die Inhalte der Reformation. Seine bekannteste theologische Schrift war sicher das „Augsburger Bekenntnis“, das bis heute große Bedeutung bei allen evangelischen Kirchen hat. Da er auch Lehrbücher über fast alle Wissensgebiete der damaligen Zeit verfasste sowie Übersetzungen antiker Autoren veröffentlichte und zudem intensive Briefwechsel mit namhaften Persönlichkeiten Europas pflegte, wurden ihm die Ehrentitel „Lehrer Deutschlands“ und später „Lehrer Europas“ verliehen. Nach seinem Tode 1560 wurde er neben Luther in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt.

Im Obergeschoss des Melanchthon-Hauses, das für Gehbehinderte über einen Außenaufzug erreichbar war, sind im Fürstenzimmer die weltlichen Herrscher verewigt, die die Reformation unterstützten. Neben dem Humanisten– und dem Theologiezimmer erweckte vor allem das „Städtezimmer“ mit seinen 121 Wappen große Aufmerksamkeit, weil Melanchthon mit diesen durch Briefwechsel, Schulordnungen, Gutachten u.a. in Verbindung stand. Zur Überraschung der Ausflügler – unter ihnen Bürgermeister Spanberger, Ortsvorsteher Egenlauf und Pfarrer Dittberner – wurde hier auch das Mühlrad-Wappen von Mühlhausen entdeckt, dessen historische Deutung jedoch noch aussteht.

Nachdem Dauerregen einsetzte, der eine längere Stadtführung ausschloss, trat nach einer kurzen Kaffeepause „Plan B“ in Kraft. Die Organisatoren, Monika und Manfred Maier, hatten vorsorglich über einen Bekannten aus Stettfeld eine Führung im dortigen Römer-Museum möglich gemacht. Die beiden Führer des Museums, Hess und Schimmelpfennig, konnten anschaulich und zuweilen humorvoll die Bedeutung von Stettfeld als ziviles römisches Straßendorf („Vicus“) am „Verkehrsknotenpunkt“ zweier bedeutenden Römerstraßen des 2. und 3. Jahrhunderts in Germanien aufzeigen. Neben den Ausgrabungen interessierte vor allem die für damalige Zeiten hochmodernen „Streifenhäuser“ der Römer mit ihren vorgelagerten Verkaufsräumen. Eine große Ziegelei, ein riesiges Gräberfeld und die Darstellung des größten römischen palastartigen Monumentalbaus rechts des Rheins (“Römische Villa“) konnten beeindrucken.

Nach so viel Kultur hatten sich die Ausflügler zum Abschluss das opulente Abendessen im Besen in Malsch verdient.